Angesteckt-Abgebrannt-Ausgebrannt

20160831_093832Diesmal angesteckt im besten Sinne, also eher inspiriert, von Isabel Falconers Aufruf zur Blogparade http://magna-mater.de/mama-ausgebrannt-wege-aus-der-krise-blogparade entsteht dieser Artikel mal wieder auf den letzten Drücker, denn die Blogparade läuft für schreibende Teilnehmer nur noch bis morgen, also bis zum 01. September 2016.

Allerdings-Wenn Du hier in meinem Tagebuch schon eine Weile mitliest weißt Du sicher schon, dass ich -schon immer- alleinerziehend bin, zwei eher „andere“ Kinder habe, und irgendwann unverschuldet völlig pleite und am Ende dann auch körperlich/geistig-seelisch/emotional völlig fertig gewesen bin.

Daher auch der Titel dieses Blogbeitrags: Angesteckt-Abgebrannt-Ausgebrannt. Rien de va plus. Nichts geht mehr.

Ja, an diesem Punkt bin ich gewesen. Trotzdem schrie natürlich alles in mir „Du hast Kinder zu versorgen“!!!20160831_094039

Aufgrund des Andersseins meiner Kinder wollte ich nicht den konventionellen Hilfe-Weg gehen. Ich konnte ihn nicht mit mir vereinbaren-allerdings gebe ich auch ehrlich zu: Ich bin ein gebranntmarktes Menschlein, wenns um Kuren geht. Das ist erfahrungsgemäß für mich wie Knast. Schlimmer. Ich bin gern selbstbestimmt. Ich entscheide selbst wann ich was wie brauche und das lass ich mir auch von niemandem nehmen.

Aber ich will von vorn erzählen, für den Fall, dass Du die einleitenden Worte meines Selbsthilfe-Buches „BurnIN-mein langer Weg aus dem Burnout“ nicht kennst. Denn diese Einleitung ist die Zusammenfassung meiner Talfahrt in den Burnout-oder auf deutsch: In die Erschöpfungsdepression.

 

Ausschnitte kannst Du Dir aber auch in diesem Video ansehen und anhören:

 

 

Nun aber ein paar Zeilen aus meinem Buch, die meinen „Einstieg“ in den Burnout beschreiben:

 

„Als es mich gepackt hatte, war ich wohl die letzte, die es merkte… aber die wichtigste Person… und rückblickend weiß ich heute, dass ich schon gut 8 Monate zuvor drin steckte…und ausgerechnet meine HNO-Ärztin hat das erste Mal so etwas angesprochen, als ich eine nicht heilende, nässende Entzündung seit Monaten mit mir rumschleppte und auf einmal mit starken Schwindelattacken auf dem Behandlungsstuhl saß. So verfrachtete sie mich direkt in die Waagerechte… liebevolle Helferinnen, allesamt Mütter, redeten… und ich heulte… und ich wusste nicht warum. Meine HNO-Ärztin zog mich spontan für 5 Wochen aus dem Verkehr.

Das verhalf mir tatsächlich auf die Füße.

Aber nicht zur Erkenntnis.

Es sollte noch mal dauern… und zwar von Februar bis August… Im August dann ging dann nichts mehr. Meine ohnehin schwierige Wochenend-Beziehung stand auf der Kippe,  (mehrmals im Monat tagelang) starke Migräne wie zu meinen besten Zeiten, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, chronische Gastritis, chronischer Reizdarm, eine unglaubliche allgemeine Reizbarkeit und Dünnhäutigkeit machte sich breit und brachte (eine unglaubliche) Erschöpfung mit Schwindelattacken mit. Dafür konnte ich aber nicht schlafen, war dauernd von massiven Versagensängsten gepeinigt und verlangte mir dennoch das einwandfreie Funktionieren ab… bis zum August. Mein damaliger Herzensmann hatte Geburtstag und eine Woche später hatten sich seine Eltern angekündigt. Wirklich liebevolle Menschen, die mir aus tiefstem Herzen wohlgesonnen waren, voller Vorfreude mich wiederzusehen und ich… fühlte nur Angst und eine tiefe, tiefe Müdigkeit und Kraftlosigkeit.

In meiner Not, wie ich DAS nun meinem Herzensmann und meinen Fast-Schwiegereltern beibringen sollte und aus der Überzeugung heraus, dass ich genau DAS auf gar keinen Fall tun dürfte rief ich eine Kollegin an…

Evi sagte: „Simone, da muss ich nicht mal den Boss (sie spricht so von Gott) fragen: Du bist seit Jahren allein erziehend, hast ein autistisches und ein wahrnehmungsgestörtes Kind, Eltern die dir noch nie Liebe geben konnten so wie DU sie brauchst, du arbeitest obwohl du krank bist, hast eine Wochenend-Beziehung zu einem Mann, der selbst sein Leben nicht gerade gerückt kriegt, sich von der Fast-Ex-Frau herum kommandieren lässt, den du nur 3mal im Monat für 48 Stunden siehst und der dir dann noch sagt, was bei dir alles falsch läuft, dem deine Wohnung zu klein und zu dunkel und unaufgeräumt ist, dafür aber seinen großen unerzogenen und lieben Hund bei dir lässt und dem du, aus lauter Angst verlassen zu werden, dauernd versuchst alles Recht zu machen. Simone, du hast ’ne Erschöpfungsdepression, wenn nicht schlimmeres. Glaubst du allen Ernstes, dein Reizdarm, deine chronische Gastritis, die schwere Migräne, die Schlafstörungen und das alles kommen aus dem Nichts? Sie kommen aus dem ZUVIEL !!!“

Tjaaaa… ist nicht schön das zu hören und ich antwortete: „Andere schaffen das doch auch. Dann wird das bei mir doch auch gehen.“

Evi setzte nach:

Bild Dir doch nicht ein, dass dir einer nur die Wahrheit sagt, von den Müttern die du auf dem Parkplatz triffst. Die leben alle nicht Dein Leben. Und eins will ich dir als Tochter eines Bundeswehrgenerals mal sagen: DER Mann, der nicht sieht was DU leistest und DIR ohne Rücksicht auf Verluste immer noch etwas aufbürdet damit sein eigenes Leben leichter wird…der ist kein Mann… der ist ein Arsch.

Okay. Deiner mag dich lieben… aber dann sollte ihm mal auffallen, wie großartig DU bist und dann muss ihm wichtig sein, wie du klar kommst. Du musst lernen NEIN zu sagen. Wenn der dann geht, kannst ihn eh vergessen und solltest du auch ganz schnell. Aber ich sage dir: Der geht eh nicht… und DU fang‘ an für DICH zu sorgen oder willst du nächstes Jahr die Radieschen von unten anschauen und deine Kinder bei deinen Eltern aufwachsen lassen?“

Plumps… ich fiel aufs Sofa und starrte vor mich hin.

Im Grunde habe ich so was schon mal gehört… nur kürzer und weniger detailliert… von meinen Kindern… auweia…

Nein. Sterben wollte ich nicht. Eigentlich hatte ich Sehnsucht danach mich vital und leistungsfähig zu fühlen, geborgen in mir selbst, zufrieden… Aber hatte ich Angst nicht geliebt zu werden…? Nein, das war es nicht… Es ging um Anerkennung.

Ich ackerte und rannte und nur, um Anerkennung von anderen zu bekommen. Ich verwechselte offensichtlich Anerkennung und Liebe.

Und ich wollte meine Lebensfreude zurück.

Mir wurde auf einmal klar: Wer mich jetzt nicht unterstützt, der schadet mir und hat in meinem Leben nichts zu suchen. Ich wusste, ich hätte nicht die Kraft für eine bewusste Sortierung der Menschen um mich herum, aber ich wusste auch, dass sich manches ergeben würde wenn ich erst mal anfange MICH zu verändern. In welche Richtung auch immer.

Ich griff zum Handy. Whatsapp. Und tippte meinem Herzensmann die Nachricht, dass es mir nicht gut ginge und ich nicht die 30 min Autofahrt auf mich nehme, damit seine Eltern mich in seiner Wohnung oder sonst wo sehen könnten, schnappte mir den Hund und ging Gassi.

Die Aufregung, die diese Nachricht für mich brachte, tat mir erneut nicht gut und ich hangelte von Baum zu Baum vor lauter Schwindelanfällen und Übelkeit und doch wusste ich: DAS war das einzig Richtige. Und: Es war mein erster Schritt raus aus dem Burnout.“

 

Soweit das Erfahrungszitat aus meinem Buch „BurnIn„.

Natürlich hatte ich über eine sehr lange Zeit regelrecht Raubbau mit mir betrieben und zum Beispiel immer die Bedürfnisse meines Partners (ja auch die des Partners davor) für mich als Messlatte des zu Erreichenden angelegt. Wie sich nun herausstellte: Böser Fehler! Ich war blind und taub für meine eigene Befindlichkeit. Für das, was ich will, was ich brauchte, was mir gut tut. Und nun rächte es sich: Mein Körper und meine Seele verweigerten ihren Dienst.

Dennoch bäumte sich etwas mit allerletzter Kraft in mir auf: Das Bewusstsein, dass ich weder krank sein noch gesund werden auf Kosten meiner Kinder praktizieren wollte. Natürlich kannte ich die gängigen Sätze zu gesundem Egoismus und hörte mir schon länger die Ratschläge meiner Freundinnen an, die Gott sei Dank kritisch und objektiv blieben-und das war wirklich nicht immer bequem für mich! Aber es stand für mich fest: Ich komm da raus-ohne Kuraufenthalt. Meine Erfahrungen mit Kuren waren albtraumhaft. Ich bin nicht die Frau die davon profitiert ihre Selbstbestimmung aufzugeben und sich von anderen sagen lässt, wann sie Hunger hat, wann Schlafenszeit ist und ich hatte erst recht keine Lust darauf mir die Leidensgeschichten von anderen in ähnlichen Situationen an zu hören. Nein, es musste für mich einen anderen Weg geben.

Mein wirklich wunderbar offener Hausarzt sagte zu mir „Frau Melzer, ein Burnout braucht mindestens die Hälfte der Zeit die er gebraucht hat zu entstehen, um auch wieder zu gehen. Rechnen Sie es für sich mal aus und legen dann nochmal ein Drittel drauf. Ich verstehe ihre Argumentation und denke auch, es gibt nicht den EINEN Weg…aber sie haben sich ja noch nie das leichteste ausgesucht. Also ich bin da. Packen Sie es an, zieh ich mit.“

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Okay. Mit ein paar Empfehlungen und Absprachen von Dr. Lenz trabte ich zunächst in die Bücherei. Es wurde soviel über Burnout gesprochen, also auch geschrieben, da wirds auch für mich was geben. Pustekuchen! Ich stand in der Bücherei zwischen unglaublichen 8 Reihen Regalen mit je 4 Einlegeböden und… HEULTE.. Es war zuviel. Jedes Buch. Jedes mit einem Schwerpunkt. Keines mit einem Tipp für jetzt und gleich. An diesem Tag schwor ich mir, ich würde das Buch schreiben, was ich suchte und nicht fand, wenn ich eines Tages aus dem Burnout raus bin. Allein. Nun wie Du weißt, hab ich das Buch geschrieben. Ich habe also wieder heraus, wieder zu mir, gefunden. Aber es war ein weiter und steiniger Weg.

Ich erhebe gar nicht den Anspruch, das Allheilmittel für jeden gefunden zu haben, aber einen Versuch, und sei es zur Unterstützung nach einem Kuraufenthalt, ist es allemal wert.

Rückblickend und um einige Erfahrungen reicher weiß ich, dass die meisten Frauen irgendwann verlernen auf die eigene Stimme zu hören, das eigene Bedürfnis wahrzunehmen und auch danach zu handeln.

Ob das das in den Genen liegt? Männer tun sich da leichter.

Was ich heute tue, damits nicht wieder passiert?

Wenn ich merke, dass ich schon auf dem Zahnfleisch gehe, so wie heute, streich ich alles an Terminen und angeblichen Aufgaben, was nicht unbedingt dem Überleben meiner Person und meinen Kindern gilt.

Zum Beispiel: Ich fahre mein autistisches Kind um 9 Uhr in die Schule, das bedeutet dass dann bis 12.30h hier Ruhe ist UUUUUUUND ich mach alles bis auf das Handy (wegen Schulnotfällen) aus. Ich tue NIX. Ich geh einfach ins Bett und schlafe. Schlaf ist eine DER Resourcen überhaupt. Als Mutter, in meinem Fall speziell als Alleinerziehende, hat man davon so sehr zu wenig, dass man schon Dornröschen heißen müßte, um das nachzuholen.

Sollte es passieren, dass ich vor 12.30h wach bin, dehne und räkel ich mich ausgiebig und FÜHLE wirklich in mich hinein worauf ich nun LUST habe. Ja LUST. Wonach ist mir? Und nicht, was noch gemacht werden könnte, müsste, sollte, dürfte…

Es ist eine Tatsache: Meine Kinder sind noch nicht verhungert oder verdurstet oder vor lauter Dreck am Fußboden festgeklebt! Aaaaaber sie vermissen eine gut gelaunte und vitale, kreative Mama mit Qualitätszeit für sie! Also haben wir alle was davon, wenn es solche Tage zwischendurch gibt. Ja na klar, fällt mir das nicht jeden Tag leicht. Aber hinter her, wenn ich meinen eigenen Ratschlag angenommen habe, geht es mir immer besser! Und nun, gerade in diesem Moment der letzten Zeilen dieses Artikels steht mein autistisches Kind hinter mir um mich zu ermahnen, dass es Zeit ist los zu fahren und sagt: „Naaa? Wie geht´s der besten Mama der Welt gerade?“ Jeder der sich etwas auskennt weiß: Autisten können nicht lügen…hach ja…also das Label „beste Mama der Welt“ zu bekommen ohne das es eine Schmeichelei ist, damit Mama einen Wunsch erfüllt bestätigt meine Worte: Es ist unwichtig ob die Wohnung aufgeräumt und sauber ist, die Wäsche gebügelt und verräumt, die Betten frisch bezogen und die warme Mahlzeit des Tages biologisch-dynamisch mit Liebe gekocht…die Kinder lieben mich, auch wenn ich alles liegen lasse-weil ich alles liegen lasse und mir Zeit nehme zum Auftanken!

Deshalb geb ich jeder Mama die das hier liest, die Frage mit auf den Weg:

 

Was möchtest DU JETZT wirklich?

 

Gern kannst Du mir Deine Antwort darauf in die Kommentare posten. Ich antworte ganz sicher und würde mich über einen Austausch riesig freuen. Davon profitierst DU und ICH und alle ANDEREN MAMAs da draußen im world wide web!

Bis zum nächsten Mal und

vergißmeinnicht   Vergiß DICH nicht!

 

Wir lesen uns!

Denn ich bin Frau Wort 😉

Ich bin SAM

PS Du möchtest mehr? Dann lies doch zum Beispiel bei Sandrine von „Mehr Zeit im Alltag“ weiter. Sie hat auch bei dieser Blogparade mitgemacht:

Mutter und egoistische Altruistin!


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