SAM fragt nach bei: Marlies Lüer

 

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Vor vier Wochen habe ich Euch das Buch „Miras´Welt“ von Marlies Lüer vorgestellt.

Wer eine Erinnerungshilfe braucht oder es gar verpaßt hat (unfaßbar, aber soll´s ja geben 😉 ) kann die Rezension HIER noch einmal nachlesen.

Ich freue mich so sehr, dass Marlies Lüer sich bereit erklärt hat, mit mir ein paar Worte zu wechseln.

Lest also nun das Interview mit der Autorin von „Miras´Welt“ – Vorhang auf…

 

 

Liebe Marlies, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview nimmst.

Erzähl doch bitte den Lesern etwas über Dich. Heißt Du zum Beispiel wirklich Marlies Lüer oder ist das ein Pseudonym? Und warum hast Du Dich entschieden unter Deinem Namen bzw. mit einem Pseudonym zu veröffentlichen?

Das ist mein richtiger Name. Ich stehe voll und ganz hinter dem, was ich schreibe und kam nie auf den Gedanken an ein  Pseudonym. Allerdings mache ich auch die Beobachtung, dass seltsamerweise sich Bücher mit „ausländischem (meist englischem) Namen und/oder Titel besser verkaufen als deutsche!

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Seit wann schreibst Du überhaupt?

Seit ungefähr 6 Jahren.

Wie kam es zu dem Buch „Miras Welt?

Ich hatte einen mehrfachbehinderten Sohn. Die Erzieherinnen des Heilkindergartens führten Tagebuch über jedes Kind und die Eltern konnten ihren Kommentar darunterschreiben. Ich fing dann parallel an, selber Tagebuch über Martin zu führen. Das alles war dann die Grundlage für meinen Erstling, den Roman „Miras Welt, Engelshauch und Kaffeeduft“. Meine ehemalige Deutschlehrerin, Frau Großhans, schlug mir vor, ein Buch über das Leben mit einem behinderten Kind zu schreiben, um anderen Eltern damit eine Hilfestellung zu geben. So fing das an. Das war noch vor der „Selfpublishing-Ära“, die Verlage lehnten das Buch über ein körperbehindertes ADHS-Kind ab. Dass es viele Jahre später ein Trauerverarbeitungsbuch sein würde, ahnte damals noch niemand. Auch nicht, dass Autismus die korrekte Diagnose sein würde. Ich habe dann das eigentliche Buch mit einem Roman „ummantelt“. So kam es zu den Lindenhausbüchern.

Am Schluß des Buches wird klar, dass ein großer Teil auf eigenen Erlebnissen von Dir beruht. Ist es nicht unglaublich schwer gewesen, noch einmal alles erneut zu durchleben oder würdest Du sagen, es ist so etwas wie heilsames Schreiben gewesen?

 Ja. Das war sehr schwer. Ich habe viel geweint und habe auch lange für das Buch gebraucht. Ein Stück weit heilsam war es auch, weil ich all das Furchtbare mit etwas Schönem und Tröstlichem verbinden konnte. Es war gut für mich, alles noch einmal zu überdenken, ja. Ich habe das Buch auch geschrieben, damit ich nie wieder darüber sprechen muss, sondern kann sagen: Lest.

Ich brauche meinen Seelenfrieden. Das darüber Sprechen reißt die Wunden neu auf. Schreiben währt mehr Distanz.

Dennoch – es war hart, das Buch zu schreiben.

Wusstest Du immer, dass du veröffentlichen und damit offiziell Autorin sein wolltest?

Nein.

Ich habe gesehen, dass Du bereits einiges veröffentlicht hast. Ist „Miras´ Welt“ Dein erstes Buch?

 Ja. Das erste von einem Dutzend (aktuell).

Überrascht habe ich fest gestellt, dass das Fernsehen schon bei Dir war. Erzähl doch mal…wie kam es dazu? Wie ging es Dir damit?

Oh, das war sehr aufregend! Vorher die Tage war ich fix und fertig und holte mir sogar was Homöopathisches zum Beruhigen aus der Apotheke. Der kleine Film ist Teil einer Reihe über Menschen, die in ihrer zweiten Lebenshälfte nochmal ganz was Neues angefangen haben. Bei mir eben ist es die Schriftstellerkarriere. Ich glaube, es sind ca. 7 Minuten. Dafür wurden 2 Tage Drehzeit gebraucht. Die Leute vom SWR waren sehr nett und haben es mir so leicht wie möglich gemacht.

Hier ist der Link zur Mediathek: KLICK HIER

Befasst Du dich als Autorin mit sowas wie einer Zielgruppe? Marketing? Welche Stategien verfolgst Du, um Dich und Dein Bücher bekannt zu machen?

Das hat sich im Lauf der Jahre erst entwickelt. Es war ein Lernprozess, der immer noch andauert. Eine konkrete Zielgruppe habe ich nicht, denn ich stellte immer wieder fest, dass meine Leser sehr unterschiedlich sind. Das geht von 12 J. bis 84 J.!

Um meine Bücher bekannt zu machen, bin ich täglich auf Facebook, habe eine Website: www.Silberworte.de

Ich bemühe mich, meinen Fans immer wieder angenehmen Input zu geben, sie zu unterhalten und auch im Gespräch zu bleiben außerhalb des Themas Buch. Mittlerweile werde ich weiterempfohlen und muss gar nicht mehr viel „Werbung“ machen.

Wie wichtig ist Dir Rückmeldung zu Deinen Werken? Hälst Du Kontakt zu Deinen Lesern?

Sehr wichtig. Ich höre mir gern an, was Leser über meine Bücher denken.

Du hast Dein Buch bei create space, einer Amazon-Tochter herausgebracht. Also verlagsfrei als Self publisher. Warum?

Ich war mal für ein Jahr ungefähr bei einem Kleinverlag. Das hat „nicht viel gebracht“. Die Bücher verkaufen sich besser, wenn ich alles selber mache (mit Ausnahme der Cover). Meine Bücher gebe ich grundsätzlich als Taschenbuch (Create Space) und als eBook raus (Mobi/Epub); so hat jeder Leser das, was er sich wünscht.

Mir gefällt daran, dass jeder Arbeitsschritt selbst zu verantworten ist!

Ich habe alle Freiheit und muss mir nicht reinreden lassen. Das ist mehr Kunst als Kommerz 😉

Stürzt Du Dich nach Fertigstellung eines Buchprojektes direkt in das nächste oder machst Du dann Urlaub oder etwas ganz anderes…also etwas wirklich Fremdes…um aus der fertigen Geschichte wirklich wieder auszusteigen?

Eine gewisse Pause ist ratsam. Auch schon, um Händen und Schultergürtel Schonung zu geben. Aber in neue Ideen einzusteigen ist leicht. Da ist immer einiges „in der Warteschleife“.

Du schreibst selbst und arbeitest auch als Korrektorat. Hast Du noch so etwas wie Freizeit? Und wie füllst Du diese? Oder ist alles rund ums Buch so schön, dass es gleichzeitig Hobby und Arbeit ist, wie in dem Spruch „such Dir etwas, was Du von Herzen gerne tust und Du mußt nie wieder arbeiten“?

Interessant, dass du das gerade jetzt fragst. Ich bin nämlich momentan zugegebenermaßen etwas arg überarbeitet. Doch ja, auch wenn man es wirklich von Herzen gern macht, so ist es doch echte Arbeit, die ihren Tribut fordert.

Echte Freizeit habe ich eigentlich nicht mehr – es sei denn … ich entscheide: Heute ist ein freier Tag. Aber dann wartet ja immer noch die Hausarbeit (die ich seit dem Schreiben etwas vernachlässige aus Zeit- und Kraftmangel) und die Gartenarbeit.

Anderer Leute Bücher zu korrigieren/lektorieren macht Spaß und ist sehr interessant. Eine schöne Aufgabe: Aus guten Büchern noch Bessere zu machen!

Ich habe wirklich meine Bestimmung gefunden.

Hast Du als Autorin noch Zeit und Muße selbst zu Lesen? Gibt es Lieblingsbücher und/oder Autoren?

Viel zu wenig Zeit zum Lesen! Viel zu wenig. Erstmals im Leben habe ich einen „SuB“, einen Stapel ungelesener Bücher.

Ich kann auch nicht mehr langsam und genussvoll lesen, weil ich weiß, dass da noch so viel wartet, geschrieben zu werden. Auch liest man anders, wenn man selber schreibt. Wenn das Buch Schwächen hat, bemerkt man das sehr deutlich. Fehler springen geradezu ins Auge, man bemängelt innerlich Plotfehler usw. Das verdirbt einem schon sehr die Freude am Lesen.

Allerdings: Wenn das Buch richtig gut ist – dann jubele ich innerlich und schicke warme Herzensgedanken an den Autor/die Autorin. In solchen Büchern kann ich dann doch versinken.

Die Frage nach Lieblingsbüchern und -Autoren kann ich nur schwer beantworten. Da ragt eigentlich keiner deutlich heraus. In meinen Bücherregalen (zwei) sind nur Bücher, die ich  nie wieder hergeben möchte. Also alles Lieblingsbücher!

 Vielen Dank, dass Du hier bei mir dabei gewesen bist!

Ich danke DIR, dass du mich auf deiner Website zu Wort kommen lässt und mir deine Zeit schenkst.

Viele liebe Grüße

Marlies Lüer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

http://www.swr.de/buffet/mein-neues-leben-marlies-lueer-gelebte-kreativitaet/-/id=98256/did=15917270/nid=98256/19pnf8f/index.html


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