#wirsindtraumfaenger Tag 9

Die heutige Aufgabe die Annika Bühnemann stellt, ist kniffelig für mich. Sie lautet:

Überraschende Wendungen.

Also, das kann ja wieder alles sein: Etwas, das im eigenen Buch passiert, etwas aus einer Geschichte die ich gelesen habe, eine Straße mit einem unterwarteten Richtungswechsel, eine Beziehung die immer als Vorzeigepaar galt und auseinander geht, ein geplanter Tag der dann doch ganz anders verläuft…mannomann…ganz schön schwer…

Was soll ich also hier schreiben?

Ich geh mal in das Leben meines ältesten Kindes. Seit der 2. Klasse wollte er Krankenpfleger, später dann Herzchirurg werden. Leider haben der ortsansässige Chirurg und ich ihm mit 16 Jahren klar machen müssen, dass das Leben eben nicht Grey´s Anatomy ist und er tatsächlich nicht die motorischen Voraussetzungen mit bringt. Daraus erwuchs dann eine pubertäre Bockigkeit und er war prinzipiell gegen alles. Ich war schon am verzweifeln. Viiiiiele Gespräche folgten, ein Schulwechsel, bei meinem Kind wuchs die Idee doch als Soldat an die Kriegsfront nach Afghanistan zu gehen und bei mir die Panik, dass er genommen werden könnte.

Dann brachte sein Bruder einen Flyer einer Pflegeschule mit heim und ich die Einladung zur Jubiläumsfeier mit Vorführungen des hiesigen Ortsverbandes des DRKs. Und nein. Er wollte beides nicht ansehen.

drk_logo_08Aus meiner und seines Bruders Überzeugung heraus wollte ich meinen Sohn doch nun zu seinem Glück zwingen, denn sein Bruder und ich waren einer Meinung: Er IST der geborene Pfleger -oder ähnliches-auf jeden Fall sollte es was Soziales für ihn sein.  Also ordnete ich mütterlich das erste Mal wirklich an: DU GEHST ZUM JUBILIÄUM -und sei es für ne Stunde! Ich habe meinen Kindern immer Raum gegeben sich selbst zu finden-diesmal schrieb ich die Richtung vor. Ich rechnete schon damit, dass er nach genau einer Stunde wieder vor der Haustür stehen würde. Doch dann, für mich völlig unerwartet, kam alles anders…denn mein Großer kam nicht nach Hause! Nicht nach einer Stunde, nicht nach zwei…nach 3 Stunden bekam ich eine whatsap Nachricht: „mama, das ist ist soooo – entschuldige- geil!!!!  darf ich noch bleiben?“

Das erste Mal nach Jahren HÖRTE ich meinen Sohn aus jeder Pore strahlen! Und natürlich durfte er bleiben! Um 18 Uhr dann ein Anruf „Mama, die DRK-Leute haben mich eingeladen noch mit ins Boldi zu gehen. Also, die trinken alle keinen Alkohol, ist verboten wegen der Uniform…darf ich mit auf ne Cola?“

Mir kamen fast die Tränen…logisch-er durfte mit.

Dann kam die völlig unerwartet die Wendung: Als er abends um 21 Uhr heim von der Bereitschaftsbesetzung des Ortsverbandes zu Hause abgeliefert wurde, hatte er sich verändert. Er strahlte. Jegliche Verwirrung, Unsicherheit und Ablehnung war verschwunden. Mein Sohn stand gerade aufgerichtet vor mir als er lächelnd sagte: „Ich werd Notfallsanitäter der Luftrettung-mit Hund“ und ich wußte: Ja-das wird er.

1 Woche später bekam er eine Zusage der Pflegeschule und ich unterschrieb den Mitgliedsantrag für das DRK.

Er lernt gerade Pflegeassistent, hat sehr sehr gute Noten und Spaß daran. Nebenbei ist er ehrenamtlich fürs DRK unterwegs und macht dort gerade eine Ausbildung zum Sanitäter. Das bedeutet alle 14 Tage Samstag und Sonntag um 6 Uhr aufstehen…und er freut sich jedesmal fast n Loch in den Bauch.

Neulich war er eine Woche krank. Da mußte ich drum diskutieren, dass er seine Bereitschaftskameraden mit dem fieberhaften Infekt anstecken würde, wenn er doch zum wöchentlichen Dienstabend ginge und die das bestimmt nicht so toll fänden würden….

Es ist noch ein weiter weg von mindestens 5 Jahren bis er sein -vorläufiges- Endziel erreicht hat, aber ich weiß: Er ist angekommen. Schon jetzt. Bei sich selbst und in einer Gemeinschaft und das war unglaublich wichtig.

Rückblickend ist DAS wirklich eine für mich ganz überraschende, aber wunderbare Wendung für meine Familie gewesen und ich bin superstolz auf meine Söhne, denn wenn sein Bruder und ich nicht die Flyer angeschleppt hätten, wäre diese Chance an meinem Großen vorbei gegangen und er hätte diese wunderbaren Erfahrungen nicht machen können.

Gibt es etwas, was DEINEM Leben eine wunderbare Wendung gegeben hat? Magst Du in den Kommentaren davon erzählen? Ich würde mich echt freuen!

 

Wir lesen uns!

Denn ich bin Frau Wort!

Ich bin SAM


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